Eine Frage des Vertrauens

Eine Frage des Vertrauens

Rainer Sturm/pixelio.de

Als Führungskraft haben Sie eine hohe Verantwortung. Es ist Ihre Aufgabe, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem motiviert gearbeitet und zielgerichtet gehandelt wird, eine respektvolle und förderliche Kommunikation herrscht und Fehler nicht verpönt sind, sondern zum Nachdenken und erneutem, verändertem und unternehmerisch sinnvollen Handeln führen. Das braucht Vertrauen in Sie als Führungskraft und bedarf Ihrer Vorbildwirkung.

 

Wie aber erreichen Sie Vertrauen?
Dazu möchten wir Ihnen ein paar wesentliche Punkte vorstellen.

 Im Umgang mit Menschen, schaffen Sie Vertrauen, wenn Sie:
  • offen und regelmäßig miteinander reden
    nichts schafft schneller mehr Vertrauen und erhält es auch.
  • ehrlich sind
    Sagen Sie, was Sie fühlen, meinen und glauben und tun Sie, was Sie gesagt haben. Wer authentisch ist, ist auch vertrauenswürdig. Wenn Sie etwas nicht sagen wollen oder dürfen, schweigen Sie lieber, bevor Sie lügen. Oder sagen Sie ganz ehrlich: “Darüber kann ich (noch nicht) nicht reden.”
  • zu Ihren Fehlern stehen
    Besonders wenn Sie Vorbild sein wollen, wie zum Beispiel Eltern oder Vorgesetzte, zeigen Sie den anderen durch Ihr Handeln auf, dass es normal ist, Fehler zu machen. Und dass es noch besser ist, aus Fehlern zu lernen.
  • sich Zeit lassen
    Der Aufbau von Vertrauen braucht Zeit. Gut Ding will Weile haben. Und irgendwann braucht es eine Bewährungsprobe, die das Vertrauen festigt.
  • großzügig sind
    Geben Sie Ihr Wissen und Ihre Kontakte weiter. Sie erhalten Vertrauen zurück und werden entlastet.

 

 

In einer Studie im Jahr 2013 fand Frau Alison Brooks von der Harvard Business School heraus, dass es einen weiteren wichtigen Punkt in der Kommunikation gibt, der zur Vertrauensbildung beiträgt:

 

Entschuldigen Sie sich!

 

Wenn Sie wollen, dass Ihre Mitmenschen Ihnen vertrauen, dann entschuldigen Sie sich für Dinge, für die Sie gar nichts können. Alle Ereignisse, die außerhalb Ihrer Kontrolle liegen, auch höhere Gewalt oder das schlechte Wetter, sind dafür bestens geeignet.

Frau Brooks hat dabei folgendes Experiment durchgeführt: Sie fragte 65 fremde Personen auf einem Bahnsteig, ob sie sich mal kurz das Handy ausleihen könne.

Mit der Frage: “Entschuldigung, könnte ich mir mal Ihr Handy ausleihen?”, bekam sie nur in 9 Prozent der Fälle das Handy.

Mit einer eigentlich sinnlosen Anfangsfloskel versehen, erhöhte sich die Erfolgsquote um das Fünffache. Benutzte sie den Satz: “Entschuldigen Sie bitte den schlimmen Regen, aber könnte ich mir gerade mal Ihr Handy ausleihen?”, erhielt sie in 47 Prozent der Fälle das Smartphone.

 

“Entschuldigungen haben signifikanten Einfluss auf unser Vertrauen, selbst bei völligem Fehlen einer sinnvollen Begründung”, sagt Alison Brooks. Es wirkt wie ein Türöffner – sogar, wenn die Entschuldigung für das Regenwetter ganz offensichtlich sinnlos ist.

 

 

Für alle, die noch mehr über Vertrauen wissen wollen:

 

  • Das Wort “Vertrauen” hat seine Wurzeln in einem Baum. Das Mittelhochdeutsche “triuwe” bezeichnet Eigenschaften wie Treue und Aufrichtigkeit. Es hat seinen Ursprung in althochdeutschen Wörtern wie “triuwa” und “gitriuwi”, die sich wiederum aus der indogermanischen Wurzel “deru” entwickelten. Ihre Bedeutung verbindet man mit den Begriffen “Baum” und “Eiche”, die für innere Festigkeit stehen.
  • Orpheus hätte seine geliebte Frau Eurydike zurück auf die Erde und damit ins Leben geholt, wenn er darauf vertraut hätte, dass sie ihm tatsächlich aus der Unterwelt folgt. Orpheus zweifelte jedoch, drehte sich um und verlor seine Frau für immer.
  • Brutus, heute der Inbegriff des hinterhältigen Verräters, war ein enger Vertrauter Cäsars. Dennoch half er bei dessen Ermordung, weil er die Römische Republik mehr liebte als Cäsar – und anderen Senatoren vertraute, die ihn davon überzeugt hatten, dass Cäsars Machthunger die Republik bedrohe.
  • Feuerwehrleute genießen in Deutschland das größte Vertrauen unter allen Berufsgruppen. Nur Piloten und Krankenschwestern erreichen ebenso Werte über 90 Prozent. Fußballspieler, Gewerkschaftsführer und Autoverkäufer landen bei unter 20 Prozent. Politiker erreichen gerade mal 6 Prozent – sagt GfK Custom Research (Gesellschaft für Konsumforschung, Nürnberg).
    Interessant: In Kenia und Nigeria vertrauen die Menschen Landwirten am meisten.
  • In einer Umfrage auf immowelt.de haben 13,4 Prozent der Befragten angegeben, sie hätten den Ersatzschlüssel beim Nachbarn hinterlegt.
  • Oxytocin ist ein Hormon, welches das menschliche Gehirn produziert und das unter anderem bei der Geburt die Wehen auslöst. Experimente mit Oxytocin an der Universität Zürich haben gezeigt, dass Probanden ihren Spielpartnern mehr vertrauen, wenn ihr Oxytocin-Spiegel zuvor mit einem Nasenspray künstlich angehoben wurde.
  • In God we trust” steht auf jeder Dollarnote. Der Spruch wurde in den USA vor etwas mehr als sechzig Jahren zum ersten Mal auf die Banknoten gedruckt. Der Wert des Geldscheines ist aber nicht gottgegeben. Vielmehr steht dahinter das Vertrauen in funktionierende Institutionen wie die Zentralbank und die Wirtschaftsleistung des Landes. Wir vertrauen darauf, dass der Schein echt ist und Andere ihn genauso akzeptieren.
  • “Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!” – Die Redewendung wird Lenin zugeschrieben. Eine Kontrolle ergibt allerdings: Einen schriftlichen Beleg dafür gibt es nicht.

 

Haben Sie Vertrauen!

Herzlichst Ihre
Dr. Christa-Jana Hartwig und Olaf Bochenek